{"id":3017,"date":"2016-02-25T14:39:57","date_gmt":"2016-02-25T13:39:57","guid":{"rendered":"https:\/\/oldsite-wie.no-borders.studio\/?p=3017"},"modified":"2016-03-18T16:47:30","modified_gmt":"2016-03-18T15:47:30","slug":"offener-brief-von-women-in-exile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oldsite-wie.no-borders.studio\/en\/offener-brief-von-women-in-exile\/","title":{"rendered":"offener Brief von Women in Exile"},"content":{"rendered":"<p>In den Medien wird derzeit wieder \u00fcber K\u00f6ln berichtet, erneut geht es um sexualisierte Gewalt.<br \/>\nIn diesem Fall wurden Fl\u00fcchtlingsfrauen bel\u00e4stigt. Nun wird, nicht nur in den Medien, angezweifelt, ob die Vorw\u00fcrfe der Frauen \u00fcberhaupt berechtigt sind.<br \/>\nBewohnerinnen eines Fl\u00fcchtlingslagers in K\u00f6ln haben in einem offenen Brief permanente sexualisierte Bel\u00e4stigungen und Gewalt durch das Sicherheitspersonal offen gemacht. Nur wenige Frauen haben bisher Anzeige gestellt, dies wird als Hinweis auf die fehlende Glaubhaftigkeit gedeutet. Ausgeblendet wird hierbei das Vorgehen der Polizei: Nach Bekanntwerden der Vorw\u00fcrfe f\u00fchrte sie mit einem gro\u00dfen Polizeiaufgebot, mit m\u00e4nnlichen Beamten, Befragungen im Fl\u00fcchtlingslager durch. Allein die massive Polizeipr\u00e4senz und der Druck, sofort aussagen zu sollen, hat ein Klima der Angst erzeugt. Den Frauen wurde das Gef\u00fchl gegeben, selbst auf der Anklagebank zu sitzen. Ein Vorgehen, das die bereits traumatisierten Fl\u00fcchtlingsfrauen re-traumatisieren, ver\u00e4ngstigen und zum Schweigen bringen kann. In Deutschland wurde schon vor vielen Jahren damit begonnen Polizist_innen auszubilden, um Frauen zu befragen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Gilt das nur f\u00fcr deutsche Frauen?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/oldsite-wie.no-borders.studio\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSCF0702-e1456407549847.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3018\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3018 alignleft\" src=\"https:\/\/oldsite-wie.no-borders.studio\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSCF0702-300x224.jpg\" alt=\"DSCF0702\" width=\"300\" height=\"224\" \/><\/a>Women in Exile ist eine Initiative von Fl\u00fcchtlingsfrauen in Brandenburg. Wir zeigen seit dreizehn Jahren Missst\u00e4nde in den Fl\u00fcchtlingslagern auf. In den Unterk\u00fcnften fehlt jede Privatsph\u00e4re, selbst Waschr\u00e4ume und Toiletten sind nicht immer abschlie\u00dfbar. Sexualisierte Gewalt geh\u00f6rt zum Alltag der Bewohnerinnen, sie geht auch von den Mitarbeitern der Einrichtungen aus. Einige F\u00e4lle sind in den letzten Monaten \u00f6ffentlich geworden, wie zum Beispiel die Vorw\u00fcrfe gegen DRK Mitarbeiter in Eisenh\u00fcttenstadt.<\/p>\n<p>Dies sind keine Einzelf\u00e4lle in Deutschland sondern f\u00fcr Organisationen wie Women in Exile allt\u00e4gliche Informationen. Hier ein Ausschnitt dazu aus der Dokumentation von Women in Exile vom Sommer 2015:<br \/>\n<em>&#8220;Wir sind alle t\u00e4glich betroffen von sexueller Bel\u00e4stigung im Lager. Es gibt keine Frauen, die nicht eine Geschichte von aufdringlichen Blicken, widerlichen Kommentaren, unerw\u00fcnschtem Anfassen oder gar versuchter oder tats\u00e4chlicher Vergewaltigung erz\u00e4hlen k\u00f6nnten. &#8220;Sie berichten von sexueller Bel\u00e4stigung, vor allem nachts klopfen M\u00e4nner um drei Uhr nachts an ihre Zimmert\u00fcr, und wenn sie die Security informieren, ist es dieselbe alte Geschichte, die wir aus anderen Lagern kennen: &#8220;wir k\u00f6nnen da nichts machen, aber kommt wieder, wenn es noch mal passiert.&#8221; Die Frauen haben den Eindruck, dass nur was unternommen wird, wenn die Katastrophe schon passiert ist.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><!--more-->Nun im Falle Eisenh\u00fcttenstadt fordert das Innenministerium gegen\u00fcber dem DRK eine l\u00fcckenlose Aufkl\u00e4rung. Dies ist nat\u00fcrlich w\u00fcnschenswert. Es w\u00e4re auch sch\u00f6n, wenn das Innenministerium seiner Verantwortung nachkommen und den von ihm geforderten &#8220;effektiven Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt&#8221; umsetzen w\u00fcrde. Erinnern wir uns an die Worte von Familienministerin Schwesig im September 2015, wo sie einen gesch\u00fctzten Raum f\u00fcr Frauen und Kinder forderte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die betroffenen Frauen ist es sehr schwer, ihre Erfahrungen offen zu machen. Sie f\u00fcrchten, dass man ihnen nicht glaubt oder Schuld f\u00fcr den \u00dcbergriff zuweist. Dass diese Angst berechtigt ist, wird im Moment wieder deutlich. Das gesellschaftliche Klima verschlechtert sich mehr und mehr.<br \/>\nDie Schuld f\u00fcr Missst\u00e4nde und Gewalt wird bei den Fl\u00fcchtlingen und ihren Unterst\u00fctzer_innen gesucht. In Clausnitz wird gegen Fl\u00fcchtlinge ermittelt, die sich gegen den rassistischen Mob mit erhobenem Mittelfinger und Handyaufnahmen wehrten. Die physische Gewalt der Polizeibeamten wird von Seiten der Verantwortlichen weg geredet, der Einsatz f\u00fcr rechtm\u00e4\u00dfig erkl\u00e4rt. Den K\u00f6lner Fl\u00fcchtlingsfrauen und ihren Unterst\u00fctzer_ innen wird fehlende Glaubhaftigkeit unterstellt. Eine verkehrte Welt: Die Gewalt geht von denjenigen aus, deren Aufgabe es sein sollte, Menschen vor Gewalt zu sch\u00fctzen. Die T\u00e4ter, Sicherheitspersonal und Polizei, werden f\u00fcr ihre Taten nicht belangt. Ein Alptraum f\u00fcr die Betroffenen, sie fl\u00fcchten vor Gewalt und erleben an dem Ort, an dem sie sich in Sicherheit w\u00e4hnen, erneut Schreckliches.<br \/>\nWomen in Exile and Friends fordert die sofortige Abschaffung der Lager. Die Lebensbedingungen in den Sammelunterk\u00fcnften sind unhaltbar, es gilt &#8211; nicht nur &#8211; Frauen und Kinder vor Gewalt zu sch\u00fctzen.<br \/>\nWer Gewalt aus\u00fcbt, muss daf\u00fcr zur Rechenschaft gezogen werden &#8211; selbstverst\u00e4ndlich auch Sicherheitspersonal und Polizei. Es bedarf umfassender politischer Ma\u00dfnahmen, um Frauen und Kinder vor Gewalt zu sch\u00fctzen \u2013 in den Lagern sind sie stattdessen auch noch institutioneller Gewalt ausgesetzt<\/p>\n<p>Gewalt gegen Fl\u00fcchtlingsfrauen darf nicht aus dem Kontext heraus genommen werden, um Diskriminierung und Rassismus zu rechtfertigen. Frauen d\u00fcrfen nicht in Fl\u00fcchtlingsfrauen und deutsche Frauen aufgespalten werden.<br \/>\nWir brauchen keine Pogidas, Pegidas oder Asyl-Pakete. Wir brauchen politische Ma\u00dfnahmen, um Frauen vor sexualisierter Gewalt, Bel\u00e4stigung und vor physischer Gewalt zu sch\u00fctzen.<br \/>\nWir fordern umfassende politische Ma\u00dfnahmen, die alle Frauen sch\u00fctzen, unabh\u00e4ngig von ihrem gesellschaftlichen Status.<br \/>\nWer Gewalt gegen Frauen aus\u00fcbt, soll f\u00fcr sein Handeln verantwortlich gemacht werden, unabh\u00e4ngig von der Herkunft, Nationalit\u00e4t, Religion oder Hautfarbe der T\u00e4ter.<\/p>\n<p>Wir fordern: Keine Lager f\u00fcr Frauen und Kinder. Alle Lager abschaffen.<br \/>\nStopp !!! H\u00f6rt auf Diskriminierung und Rassismus mit Frauenrechten zu legitimieren!<br \/>\nStopp !!! Kein \u00f6konomischer Profit auf Kosten von Fl\u00fcchtlingen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/oldsite-wie.no-borders.studio\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/offenerBrief.pdf\">zum Download<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/oldsite-wie.no-borders.studio\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Brosch%C3%BCre-klein.compressed-1.pdf\">Bustourbrosch\u00fcre zum Download<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Medien wird derzeit wieder \u00fcber K\u00f6ln berichtet, erneut geht es um sexualisierte Gewalt. In diesem Fall wurden Fl\u00fcchtlingsfrauen bel\u00e4stigt. Nun wird, nicht nur in den Medien, angezweifelt, ob die Vorw\u00fcrfe der Frauen \u00fcberhaupt berechtigt sind. 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